Amica (1999)
Ihre Paraderolle ist die eines lässigen
Country-Girls, und so lebt „everybody’s darling“ mittlerweile auch in Texas. In
AMICA beschreibt die 33jährige ihre (Un)ordnungsprinzipien und (Alp)träume beim
Wohnen
gehe durch mein Haus, lasse die Raume und Farben auf mich
wirken. Ich verrucke Möbel. Stelle Blumen von hier nach dort. Wechsele kaputte
Glühbirnen aus und repariere tropfende Wasserhahne. Ich rolle Teppiche zusammen
und breite sie woanders wieder aus. Ich setze mich in meinen Lieblingssessel,
blättere Wohnzeitschriften durch und lasse mich inspirieren für mein nächstes
Interieur-Shopping. Meistens kaufe ich Antiquitäten. Die Moderne, 20er, 30er
Jahre, ist mir fast zu modern. Neuzeitliches Design interessiert mich nicht.
vermutlich habe ich es einfach noch nicht genügend studiert. Gelegentlich
sehe ich nämlich witzige Sachen, verruckte Sofas oder Tische. Ich traue mich
bloß nicht recht, so etwas Extravagantes in meine Zimmer zu stellen. Wer weiß,
ob ich mich nicht nach ein paar Tagen daran satt gesehen habe? Möbel sind für
mich keine Kleider, die ich einfach so ausrangiere, wenn ich sie nicht mehr
leiden kann. An Möbeln hange ich. Wenn ich ein Stuck in den Keller verbanne,
verschenke oder verkaufe, dann habe ich richtige Schuldgefühle.
Ich renoviere für mein
Leben gern Hauser und informiere mich eigentlich ständig darüber, was alles auf
dem Markt ist. Nicht, um reich zu werden, sondern, um ein scheintotes Gebäude
wiederzubeleben. Für mich ist das ein schöpferischer Akt, der mir Freude
macht.
Das Haus,
in dem ich gerade lebe, wird natürlich besonders liebevoll aufgepäppelt. Einige
meiner Freunde finden, dass ich es übertreibe mit meiner Wohnerei. Bei mir zu
Hause hat alles seinen festen Platz. Meine Wohnung hat ihre eigene, unumstößliche
Ordnung. Es macht mich schon nervös, wenn jemand Jacken über Stuhle wirft oder
Bucher auf dem Fußboden verteilt: Jacken gehören an die Garderobe und Bucher
auf den Buchertisch oder ins Regal. Da bin ich sehr penibel und unflexibel-ein
Grund, warum ich nicht so leicht mit jemandem zusammenziehen könnte.
Eine regelrechte Horrorvision ist: Dieser Jemand
bringt seine Möbel mit. Mein Leben fände plötzlich
zwischen fremden Schrankwänden, scheußlichen Erbstucken von seiner Stiefoma
oder lieblos zusammengekauften Kaffeebechern statt. Ich weiß nicht, ob ich jemals
so verliebt sein werde, dass ich das ertragen konnte. Einmal,
als ich mit jemandem zusammenlebte, scheiterte es am
Badezimmer. Männer und Frauen können das Bett teilen, das Auto oder ein
Bankkonto, aber kein Badezimmer. Männer verbreiten eine Art von Unordnung, die
ebenso unbeschreiblich wie unerträglich ist. Diese Bartstoppeln überall. Diese
Rasierschaumspritzer. Und kaum hat man sich mal für eine Minute
eingeschlossen, hämmern sie mit der Faust gegen die Tür und müssen ganz
dringend.
Ich war noch nie mit jemandem zusammen, der sich ernsthaft für
Innenarchitektur interessiert; der Möbel mit Geschichte liebt; der sich für
bauhandwerkliche Details und einfaches Design begeistert; der ein Gespür dafür
hat, wenn Dinge Gefühle ausstrahlen. Wow, das wäre mal ein Mann!
© 1999 by Amica
typed out by the webmaster
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